Zuletzt aktualisiert am 18.05.2019

Wow, Sofia! Ein Wochenend-Mädelstrip führte mich zum ersten Mal in die bulgarische Hauptstadt, von der ich zuvor nur wenig gehört hatte. Umso größer war meine Vorfreude auf die Reise in den Balkan. Nur ein kurzes Wochenende in Sofia – Ausreichend, um die Stadt zu erkunden? Auf jeden Fall! Ich zeige euch, wie ihr das Beste aus nur wenigen Tagen herausholen könnt!

Sofia – Spannend anders!

Sofia ist eine Stadt der Gegensätze, da gibt es die hässlichen Plattenbauten (eher in den Vororten zu finden) und heruntergekommenen Häuser auf der einen sowie altehrwürdige, hübsch restaurierte Gebäude auf der anderen Seite. Einflüsse aus der Zeit des Kommunismus prägen die Stadt noch heute, wobei man demgegenüber auch noch fast dreißig Jahre nach dem Sturz des kommunistischen Staatschefs eine erfrischende Aufbruchsstimmung wahrnimmt. Sofia ist heute eine moderne, eine hippe Stadt, die gezeichnet ist von ihrer interessanten Geschichte. Eine Erkundungstour durch die bulgarische Hauptstadt ist dementsprechend spannend – so schön anders als durch die Metropolen Europas und mit vielen interessanten Bräuchen und Traditionen. So hat mich beispielsweise ein bulgarischer Brauch entzückt, mit dem jährlich der Frühling willkommen geheißen wird. Jedes Jahr kurz vor dem 1. März finden sich in der Stadt viele Straßenstände, an denen sog. „Marteniza“ verkauft werden. Mit diesen rot-weißen Armbändern und Anhängern beschenkt man sich gegenseitig am 1. März und der folgenden Woche und wünscht dem Beschenkten damit Gesundheit und ein langes Leben. Der Schmuck ist auf der linken Seite, also nah am Herzen zu tragen und wird dann abgelegt, wenn man das erste Frühlingszeichen entdeckt. Dann werden die Bändchen zu den ersten Blüten eines Baumes, an dessen Äste gehangen.

Must-Do: Free Sofia Tour

Gerade wenn für die Sofiareise nur wenig Zeit zur Verfügung steht, bietet sich am besten gleich zu Beginn der Reise eine Stadtführung an, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten „abzuhaken“. In Sofia, wie auch in anderen großen Städten, wird eine Free Sofia (Walking) Tour angeboten, die in der bulgarischen Hauptstadt von einer NGO betrieben wird. Das Konzept: die Tour selbst ist kostenlos, am Ende kann man allerdings Trinkgeld geben so viel man möchte. Um an der Stadtführung teilzunehmen, braucht man sich dabei nicht anzumelden, sondern erscheint zur vorgegebenen Uhrzeit einfach am Treffpunkt. Erstaunlich viele Teilnehmer fanden sich an dem Tag meiner Teilnahme an dem vorgegebenen Treffpunkt ein und auch wenn ich bereits an mehreren solcher Touren teilgenommen habe, so waren doch noch nie so viele Teilnehmer dabei. Für die Free Walking Tour in Sofia aber anscheinend keine Seltenheit, da die große Gruppe kurzerhand einfach in drei kleinere aufgeteilt wurde, die sodann in unterschiedlichen Richtungen von dannen zogen. Das Free Sofia Tour Team machte einen supersympathischen Eindruck und unsere Stadtführerin Ani war ein wahres Energiebündel, die uns in 2 Stunden nicht nur gut gelaunt durch die Stadt führte, sondern am Ende der Tour sogar noch ein bulgarisches Lied zum Besten gab. Diese Organisation unterstützt man einfach gerne, da die Tour Guides mit Leib und Seele bei der Sache sind und die Stadtführung nicht nur sehr interessant ist, sondern auch richtig viel Spaß gemacht hat, weshalb sie von mir hier auch als „Must-Do“ gekennzeichnet wird. Von derselben Organisation werden übrigens noch weitere themenbezogene Touren angeboten, wie bspw. die Kommunist Tour (10 Euro) oder die Sofia Culture Tour (11 Euro).

  • Free Sofia Tour (täglich)
  • Treffpunkt: Justizpalast
  • Uhrzeiten: 11.00 und 18.00 Uhr
  • Dauer: ca. 2 Stunden

Sofia Streetart

Was ist schon Williamsburg gegen die coole und vor allem breit gestreute Streetart in Sofia? Das Streetart-Highlight für mich waren die bemalten Stromkästen, die man vor allem in der ul. (ul. = ulitsa = Straße) Tsar Ivan Shishman findet. Ziemlich hip wirkt die Gegend um diese Straße herum mit vielen kleinen, tollen Boutiquen zum bummeln und stöbern. Die bemalten Stromkästen finde ich eine tolle Idee das Stadtbild ein wenig bunter zu gestalten und neben den teils sehr heruntergekommenen Häusern etwas aufzuwerten. Doch nicht nur in der Tsar Ivan Shishman steht die Straßenkunst hoch im Kurs, immer mal wieder entdeckt man beim Spaziergang durch die Stadt bunte Graffitikunstwerke. Besonders cool: ein Großteil der Straßenkunst ist sogar von der Stadtverwaltung angetrieben, so entstanden die bemalten Stromkästen in der Tsar Ivan Shishman Street beispielsweise während es städtischen Sofia Breathes Festival als Initiative der Stadt und Appell an junge Graffiti-Künstler die hässlichen Stromkästen kreativ zu verschönern.

  • Tipp: Es gibt übrigens auch eine Free Sofia Graffiti Tour, die jeden Samstag und Sonntag um 15.00 Uhr startet. Treffpunkt ist die Sveta Sofia Statue

Restaurants/Bars – Schlemmend durch Sofia

Sofia kann man geradezu schlemmend erkunden! Grandiose Restaurants ziehen sich durch die Stadt und man weiß kaum, in welchem man denn am besten Platz nehmen sollte. Auf dem Vitosha Boulevard, der Haupteinkaufsstraße, findet man beispielsweise ein Restaurant neben dem anderen. Abends ist hier eine Menge los, selbst in der kalten Jahreszeit kann man hier „draußen“ sitzen in, den Restaurants vorlagerten, kleinen „Wintergärten“, die meist mit Heizstrahlern warm gehalten werden.

Social Café

Zu empfehlen auf dem Vitosha Boulevard ist beispielsweise das Social Café, ein hippes Restaurant mit internationaler Küche, auch einige bulgarische Gerichte finden sind auf der Menükarte. Das im Jahr 2015 eröffnete Restaurant ist modern eingerichtet und beinahe immer gut besucht.

  • Adresse: bul. “Vitosha” 16, 1000 Sofia, Bulgarien

Geheimtipp: Lubimoto

Dieses Restaurant solltet ihr unbedingt mal besuchen. Das Lubimoto liegt super versteckt in einer Seitenstraße der ul. Tsar Ivan Shishman und noch dazu in einem kleinen Hinterhof. Wer nicht konkret auf der Suche nach diesem Restaurant ist, wird wahrscheinlich glatt daran vorbeilaufen. Wie eine kleine Hütte gebaut, kann man hier richtig urig und gemütlich Platz nehmen und traditionelle bulgarische Küche genießen.

  • Adresse: Bistro Lyubimoto/Lubimoto, ul. “General Parensov” 25, 1000 Sofia, Bulgarien

Supa Star

Ein eigener Laden nur für Suppengerichte? So cool, oder? Das Supa (=Suppe) Star gibt es gleich zwei Mal in der Stadt:

  • Adressen: Supa Star, ul. Tsar Shishman und 17 Kniaz Aleksandar Dondukov, 1000 Sofia, Bulgarien

Sense Rooftop Bar

Cocktail with a view – gibt es in der Rooftop Bar des Sense Hotels. Die im 9. Stockwerk des Hotels gelegene Bar mit Rundumblick auf die Stadt bietet nicht nur tolle Cocktails und eine schicke Atmosphäre, sondern auch einen sagenhaften Blick auf das Wahrzeichen der Stadt, die Alexander-Newski-Kathedrale. Die Rooftop Bar kann man auch besuchen, wenn man selbst kein Hotelgast ist. Dresscode: gehoben.

  • Adresse: Sense Hotel, bul. Tsar Osvoboditel 16, 1000 Sofia, Bulgarien

  • Tipp: Lust an einem Pub Crawl teilzunehmen? Täglich findet eine Kneipentour durch die Bars Sofias statt.
    Preis: ca. 10 €
    Treffpunkt: Park Crystal
    Uhrzeit: 21.00 Uhr

Fortbewegung

Vom Flughafen in die Stadt

Der recht überschaubare Flughafen Sofias liegt nur 10km vom Stadtzentrum entfernt und ist sehr gut mit der Metro zu erreichen. Die orangene Linie M2, die gleich neben dem Flughafen liegt (also am besten einmal aus dem Haupteingang raus und dann links) fährt regelmäßig in die Stadt, die man in knapp 25 Minuten erreicht. Die Preise sind beinahe unglaublich: ein Single Ride kostet gerade mal 1,60 LEW – also umgerechnet ca. 80 Cent und macht die Bahnfahrt damit zur günstigsten Möglichkeit in die Stadt zu gelangen. Andere Varianten sind die Taxifahrt und ein Bustransfer, die aber mit ca. 10 Euro nicht an den Metropreis herankommen.

Taxi fahren

Das Taxifahren in Sofia ist sehr günstig, sodass man innerhalb der Stadt mal schnell in eines der gelben Taxen springen kann und, gerade wenn man nicht alleine fährt, nur wenige Cent oder Euro zahlen muss. Die Anfahrt kostet meist zwischen 0,30 bis 0,40 Cent und der Kilometerpreis ca. 0,60 Cent.

Zu Fuß unterwegs

Das schöne an Sofia ist, dass beinahe alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erreichen sind, sodass man die Stadt auch am besten zu Fuß erkunden sollte. Für mich ohnehin immer die beste Art und Weise eine Stadt richtig zu erleben und auch nichts zu verpassen.

Unterkunft

Die Unterkünfte in Sofia halten sich preistechnisch sehr im Rahmen. Sehr schicke Hotels kann man hier manchmal schon zu vergleichsweise günstigen Preisen ergattern. Da für meinen Mädelstrip allerdings eine Unterkunft für die, für Hotelzimmer meist untypische Anzahl von drei Personen gesucht wurde, war die Auswahl etwas eingeschränkt. Entschieden haben wir uns schließlich für die „Suite“ im BW Premier Collection Hotel, für die wir für zwei Nächte 248 Euro inkl. Frühstück gezahlt haben.

  • Adresse: BW Premier Collection Hotel, ul. “Stara Planina” 6, 1000 Sofia, Bulgarien

Witzige Eigenarten

Vieles hat mich in Sofia überrascht und amüsiert. Dabei einige Eigenarten, die ich so noch nie auf Reisen gesehen habe. Habt ihr beispielsweise schon mal einen Kiosk gesehen, der beinahe im Boden verschwindet? Quasi aus dem Souterrain heraus werden die Kunden hier bedient, was einfach ungewöhnlich aussieht.


Eine andere Kioskart: der Schaufensterkiosk. Die angebotenen Güter kann man hier durch ein Schaufenster betrachten; ordentlich aufgereiht liegt die Auswahl hier nebeneinander. Wer dann etwas kaufen möchte, spricht mit dem Verkäufer durch eine winzige Luke neben dem Schaufenster, bezahlt und bekommt die gekaufte Ware durch das kleine Fenster gereicht. Ulkig!

Tja, habt ihr so etwas schon einmal gesehen? Neben vielen Ampeln in Sofia stehen seltsame Holzhäuschen, die man nur über eine Treppe erreichen kann. Ein Kellner im Lubimoto-Restaurant klärt uns auf: bei besonders viel Verkehr oder während besonderer Events, an denen die Stadt sehr voll ist, können Ordnungsbeamte die Ampeln von dort oben manuell schalten. So können beispielsweise auch alle Ampeln manuell auf rot gestellt werden, wenn in außergewöhnlichen Situationen einmal die Polizei oder Staatsoberhäupter am üblichen Verkehr vorbeifahren müssen. 

Fazit – ein Wochenende in Sofia

Sofia eignet sich für einen Wochenendtrip besonders gut. Viele Sehenswürdigkeiten liegen nahe beieinander und können dementsprechend gut zu Fuß erkundet werden. Die bulgarische Hauptstadt ist interessant, modern, geschichtsträchtig und sicher etwas für die Kulinariker unter euch. Noch dazu aus Deutschland günstig und schnell zu erreichen – eurem Sofia-Aufenthalt sollte also nichts mehr im Wege stehen!

  • Tipp: Mit dem Auto nur knapp 30 Minuten entfernt liegt übrigens das Vitosha Gebirge, das im Winter Skigebiet, im Sommer Wandergebiet ist. Na wenn das nun aber endlich Grund genug für die Reise ist!

12 Comments
  1. Wow, die tollen Bilder machen richtig Lust auf Städtetrip! Sofia hatte ich bislang noch gar nicht auf der Liste, aber jetzt ist die Stadt definitiv drauf. Vielen Dank für die schönen Einblicke!
    Lieber Gruß
    Conny

  2. Hi,
    ich überlege am ersten März-Wochenende nach Sofia zu reisen. Also vom 1. bis zum 3.3. Da bekommt man gleich noch den Nationalfeiertag mit.

    Kannst du was zum Wetter um diese Zeit in Sofia sagen?
    Bin mir nicht ganz sicher, ob das nicht vielleicht doch eine ungünstige Zeit für eine Reise ist. Leider unser einziges freies Wochenende 😉

    Danke für die Infos.

  3. Servus Sonja,

    erst Mal herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht!

    Ich reise oft spontan ein/zwei Tage. Diese Woche (Dienstag Nachmittag bis Mittwoch Vormittag) hatte ich Sofia als Ziel, auf den üblichen (Print-)Reisefüher verzichtet, mir Deine Empfehlungen mitgenommen und an der Culture Tour (die “große Schwester” der Free Tour) teilgenommen. Das zusammen war für die Stadt und das Zeitfenster optimal.

    Kurzes Review:
    Free Tour –> hat wegen großen Zulaufs zumindest zum 11 Uhr Termin mehrere Führer. Die Culture Tour wird nicht jeden Tag angeboten. Wer an dieser interessanten Führung (EUR 11/Person) Interesse hat, sollte sich nach den Terminen erkundigen. Ansonsten bleibt täglich (inzwischen drei Mal) die Free Tour.
    Restaurant Lubimoto –> Prima Empfehlung! Wer nicht gerade zu den Hauptessenzeiten kommt, muss nicht reservieren. Aus der Speisekarte hatte ich nur die mit Bulgarischer Nationalflagge markieren Speisen bestellt und war begeistert. Da kann Mann/Frau für kleines Geld schlemmen.
    Supa Star (ich war in der Ul. Tsar Shishman) –> Unverändert eine Empfehlung für den Hunger zwischendurch.
    Ein absolutes Muss ist wirklich die Gegend um und in Ul. Tsar Shishman. Dort ist das moderne Sofia
    Wer sich einen sehr anschaulichen und kurzweiligen Überblick über die Geschichte Sofias verschaffen will, dem ist das Sofia History Museum empfohlen. Vor dem Eingang des Musums (war früher eine Therme) gibt es auch die von Sonja beschriebenen Heißwasserquellen.
    Gegenüber der Mosche/Mosque, auf der anderen Straßenseite ist links von McD, zwei Häuser weiter, ein Straßengrill. Ich bin da kein einziges Mal vorbeigekommen, ohne schwach zu werden. Und, es hat sich jedes Mal gelohnt.
    Noch etwas Logistik: Geldwechseln ist in Sofia wesentlich günstiger als auf Flughäfen. Das ist ja nichts neues, aber für die Fahrt mit der Metro (lohnt sich immer, wenn Ihr zentral wohnt) müsst Ihr ein paar BGN dabei haben, dort will man Bares sehen. Also ggf. zunächst nur einen kleinen Schein wechseln.

    Das war´s jetzt. Meine anfängliche Skepsis, was mich wohl erwarten wird hat sich klar in Sympathie für Sofia verändert.

    Allen viel Spass und liebe Grüße aus Bayern
    Hans-Peter

    1. Lieber Hans-Peter,

      vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Es freut mich total, dass ich dir ein wenig Reiseinspiration und Tipps für Sofia mit auf den Weg geben konnte! Wie Du schon sagtest, es muss nicht immer der klassische Reiseführer sein 🙂 Auch deine Tipps klingen super und diesen Straßengrill muss ich beim nächsten Mal auch unbedingt einmal ausprobieren!!

      Viele liebe Grüße
      Sonja

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