Schwimmen mit Manatees in Crystal River

Wenn es ein Rennen um den größten Manatee-Fan der Welt geben würde – seit knapp drei Wochen wäre ich sicher ganz vorne mit dabei. Die drolligen Seekühe haben es mir einfach angetan und das bereits, bevor ich sie überhaupt richtig „kennenlernen“ durfte. Schon vor der Abreise nach Florida habe ich mich über diese wundervollen Tiere informiert, die es am liebsten mauschelig warm mögen und daher in den kalten Wintermonaten die warmen Gewässer des „Sunshine State“ aufsuchen. Tatsächlich sind Manatees entfernte, im Wasser lebende Verwandte der Elefanten und wenn man sich die kugeligen Tiere mit der grau-braunen Haut nur einmal anschaut, kann man eine gewisse Ähnlichkeit auch wirklich erkennen.

Mein persönliches Highlight: Schwimmen mit Manatees

Als ich bei meiner Florida-Recherche gelesen hatte, dass man in dem kleinen Ort Crystal River an der Westküste des Bundesstaates mit frei lebenden Manatees schwimmen kann, wusste ich sofort, dass ich das unbedingt machen möchte. Tiere in ihrer natürlichen Umgebung kennenzulernen, für mich auf Reisen immer eine wahnsinnig belebende Erfahrung. Es sind diese Momente, wenn man wilden Tiere in Freiheit begegnet, in denen ich immer wieder lerne, was das Wort „Ehrfurcht“ wirklich bedeutet. Wie ich finde, sollte jeder den Tieren in solchen Momenten mit dem größten Respekt entgegentreten, niemals sollte der Mensch in den natürlichen Lebensraum der Tiere eindringen, sondern diesen allenfalls als stiller Beobachter beiwohnen. Tatsächlich soll man sich beim „Schwimmen mit Manatees“ lediglich an der Wasseroberfläche treiben lassen und sich so wenig wie möglich bewegen, um die Tiere nicht zu stören. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass man im besten Fall – ausgestattet mit einer „Wassernudel“ – seine Schwimmbewegungen nur mit den Armen und nicht mit den Beinen machen sollte, so die Anweisung unserer Bootscrew.

Sag niemals nie: Ab ins dunkle Gewässer

Schon um sechs Uhr morgens ging es mit dem kleinen Boot und insgesamt 10 anderen Manatee-Fans in die Kings Bay. Die Sonne war nicht einmal richtig aufgegangen als das Boot ankerte und der erste Manatee ganz zaghaft an unserer Bootsleine knabberte. Kaum sehen konnte man ihn in dem dunklen Gewässer, das irgendwie aufregend und zeitgleich auch unglaublich bedrohlich aussah. Never ever würde ich da jetzt tatsächlich hineinsteigen, oder etwa doch? Brrr…war das kalt heute. Das Thermometer zeigte an diesem Morgen das einzige Mal während des gesamten Florida-Aufenthalts -2°C und kurz bevor es in das dunkle Wasser ging, musste ich mich dann doch noch einmal ganz stark zusammenreißen

– Da willst du jetzt wirklich rein? Im Leben nicht – Sonja, das kann ja wohl nicht dein Ernst sein! Schon draußen war es arschkalt, wie sollte es dann erst im Wasser sein? – 

Tatsächlich konnte ich mir in diesem Moment nicht ausmalen, was mich da mal wieder geritten hatte. Abgesehen davon konnte ich mir außerdem wahrhaftig schönere Orte vorstellen (zum Beispiel mein warmes Bett) als trübes, fast pechschwarzes Wasser mit weiß Gott was für Tieren drin. Aber eben auch mit Manatees und somit einem entscheidenden Pluspunkt auf meiner imaginären Pro- und Kontraliste, die sich schlagartig in meinen Gedanken geformt hatte. Und wie das ja meistens so ist, ist es bloß die Überwindung, die einem die Nerven kostet. Denn sobald ich meinen Fuß in das vermeintlich kalte Wasser steckte, war mir klar, dass all die Sorgen halb so schlimm waren. Es war nur mein Kopf, der mir einen Streich gespielt hatte, denn das Wasser war tatsächlich angenehm warm und fühlte sich im Vergleich zu der bibbernden Kälte an Bord beinahe wie warmes Badewannenwasser an – nur ohne Schaum und mit ein paar mehr Tierchen drin.

Für gewöhnlich bewegen sich Manatees recht langsam und gemächlich durchs Wasser, doch morgens sind sie am aktivsten und so schreckte ich kurz auf als plötzlich blitzschnell der erste Manatee unter mir hertauchte. Meine Güte, sind die groß, schoss es mir gleich durch den Kopf und ganz elektrisiert von der ersten Begegnung schaute ich dem dicken Kerlchen hinterher, das sich immer weiter von mir entfernte und ganz bald schon in dem trüben Gewässer gar nicht mehr zu sehen war. Knapp eine dreiviertel Stunde ließ ich mich im Wasser treiben und beobachtete die Manatees wie sie unter mir her schwammen. Doch nicht nur sehen, sondern auch hören konnte ich sie! Denn junge Manatees geben ein recht lautes, langgezogenes Piepsen von sich, wenn sie mit ihrer Mutter kommunizieren, das ich sogar unter Wasser hören konnte. Noch ganz entzückt von dem kleinen Manateejungen (das nicht wirklich klein, sondern auch schon recht stämmig war), staunte ich nicht schlecht als wenig später schon das prächtige Muttertier anrollte. Was für ein tolles Erlebnis, den Umgang der beiden mit eigenen Augen sehen zu können.

Warum mich die Begegnung auch traurig gestimmt hat

Tiere in ihrer natürlichen Umgebung lediglich als stiller Beobachter betrachten– da war doch was! Auch wenn sich alle Taucher daran halten mochten, sich kaum zu bewegen und eher an der Wasseroberfläche treiben ließen, als ich den Kopf manchmal aus dem Wasser hob und den Blick um mich schweifen ließ, überkam mich ein komisches Gefühl. So viele andere Taucher befanden sich auf einmal um mich herum, dass es mir manchmal fast schwer fiel mich zu bewegen, ohne einen der anderen zu treffen. So hatte ich mir das Schwimmen mit den Manatees sicher nicht vorgestellt. So viele andere Menschen um mich herum, so viele Boote, die auf einmal ebenfalls geankert hatten. Dass die Manatees bei eine solch großen Anzahl von Menschen wirklich ungestört bleiben, kann ich mir kaum vorstellen. Und das Schlimmste war für mich in diesem Moment die Erkenntnis, dass ich eine von vielen dieser „Eindringlinge“ war. Auch wenn das Manatee-Schwimmen staatlich überwacht wird und generell nur in einem abgegrenzten Bereich erlaubt ist, so empfand ich es schon grenzwertig, wie viele Menschen gleichzeitig in diesem abgegrenzten Bereich mit den Tieren schwimmen dürfen. Insbesondere da es sich gerade mal um die erste Tour von zahlreichen an diesem Tag handelte. Auch wenn ich die Erfahrung, mit diesen wundervollen Tieren schwimmen zu dürfen, auf keinen Fall missen möchte, so würde ich eventuell nicht noch einmal an einer solchen – zugespitzt ausgedrückten – „Massenveranstaltung“ teilnehmen wollen. Ein Manateefan bin ich aber seither mit ganzem Herzen und freue mich jetzt schon, diese drolligen, dicken Kerlchen irgendwann einmal wiederzusehen.

Mit diesem Beitrag nehme ich übrigens an der Blogparade der lieben Ariane von Heldenwetter zum Thema “Sag niemals nie” teil – Manchmal braucht es eben eine gehörige Portion Überwindung, um einige der unglaublichsten Reise-Abenteuer zu erleben! Für mehr Sprünge ins kalte Wasser!! 

7 Comments
  1. Hallo Sonja,

    das erste mal haben wir auch so eine geführte Tour zu den Manatees gemacht, beim 2. mal haben wir uns einfach selber ein Boot ausgeliehen und sind in der Bay rumgefahren. Das ist dann noch mal ein ganz anderes Erlebnis und wirklich grandios. Wir finden die Manatees einfach so liebenswert, das ist schon echt was besonderes 🙂

    Unsere Bilder sind hier: https://one-million-places.com/reiseberichte/nordamerika/usa/florida-orlando-schwimmen-mit-manatees-crystal-river

    Wir freuen uns natürlich über einen Gegenbesuch 🙂

    Viele Grüße
    Michael

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