Abenteuerfeeling auf Inishmore

Roadtrip Fakten: Tag 02

Ausflugsziel: Inis Mór
Übernachtung: Limerick
Aktivität: 16km Fahrrad-Tour

Eigentlich hatte ich nach dem Besuch der Cliffs of Moher am Vortag gedacht, dass eins der größten Highlights des Roadtrips damit bereits hinter mir lag. Was ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen konnte war, dass es jeden Tag einfach immer ein Stückchen besser werden würde. So auch an Tag 02, der mich zu den Aran Islands führte, einer Inselkette in der Galway Bay, unweit der kleinen Hafenstadt Doolin entfernt. Da ich bereits zuvor über die größte der Inseln nur Gutes gelesen hatte, ging es mit dem Boot bereits am Morgen in einer knapp einstündigen Überfahrt zur Insel Inis Mór (Inishmore).

Mit dem Fahrrad unterwegs

Da die Insel nur knapp 14 Kilometer lang und 3 Kilometer breit ist, kann man sie sehr gut mit dem Fahrrad erkunden. Direkt am Hafen stehen mehrere Fahrradverleihe zur Verfügung, wobei man zwischen City-, Mountain- und Electric Bikes wählen kann. Unsere Wahl fiel dabei auf ganz normale City-Bikes für 10 €/Tag. Ebenfalls am Hafen werden Kutschfahrten über die Insel angeboten. Sicher auch keine schlechte Idee, wir wollten allerdings so flexibel wie möglich sein und uns noch dazu gerne ein wenig bewegen. Da uns die Fähre um 16:00 Uhr wieder zurück aufs Festland bringen sollte, steckten wir uns ein Tagesziel: das Fort Dun Aonghasa, welches 8km vom Hafen entfernt liegt und mit dem Fahrrad für einen Tagestrip demnach gut geeignet ist. So viel schon einmal vorab: Auch wenn das Ziel das Highlight des Tages blieb, war auch der Weg dorthin bereits atemberaubend schön. Vorbei an der Küste, kleinen Dörfern, Sandstränden, Kühen und Eseln sowie einer Seelöwen Kolonie radelten wir gemütlich und mit einigen Zwischenstopps knapp eine Stunde bis zum Dun Aonghasa. Ganz besonders interessant anzuschauen waren auf der Tour die Felder und Häusergärten, die mit unzähligen Steinen ihre ganz eigenen natürlichen Umzäunungen hatten. Was für eine Arbeit das gewesen sein muss, diese Steinmauern, die wir auf unserem Roadtrip durch den Südwesten des Landes übrigens fast täglich zu Gesicht bekamen, vor Jahren eigenhändig zu errichten.

Steil, steiler, Dun Aonghasa

Angekommen am Besucherzentrum des Forts, stellten wir die Fahrräder ab und begaben uns auf einen knapp einen Kilometer langen Spaziergang auf die Anhöhe, auf der sich das Fort, dessen Ursprünge bis in die Bronzezeit reichen, befindet. „Anhöhe“ ist jedoch eigentlich noch eine untertriebene Bezeichnung. Fast 90 Meter geht es am Rand des Areals an einer steilen Klippe in die Tiefe. Vorsichtig muss man hier sein, wenn man sich bis zum Vorsprung begibt, denn es sind weder Sicherheitsvorkehrungen noch Absperrungen vorhanden. Ich habe mich nur liegend bis ganz nach vorne an die Kante gewagt – der Blick war auch so schon einmalig und ist sicher nichts für Leute mit Höhenangst. Da wir uns zuvor wenig Fotos von der Anlage angeschaut hatten, waren wir umso beeindruckter von der Natur, die mir einmal mehr mit ihrer Schönheit den Atem raubte. 

Das Fort selbst besteht heute noch aus einem halbkreisförmigen Steinwall, der dort oben auf seiner Anhöhe über der Insel thront. Welche Funktion das Fort einmal hatte, ist nicht mehr ganz nachvollziehbar. So ist weder nachweisbar, ob die Anlage einmal viel größer war und ein Teil davon eventuell an der Abbruchkante der Klippe ins Meer gestürzt ist oder ob das Fort als Verteidigungsanlage oder Kulturstätte genutzt wurde. Interessant anzuschauen ist es so oder so und wir haben bestimmt eine Stunde dort oben verbracht, bevor es langsam mit dem Rad wieder zurück in Richtung Hafen ging.

Eine Insel zum „Runterkommen“

Auf der kleinen Insel Inishmore wohnen gerade mal knapp 850 Einwohner, die ihren Lebensunterhalt vor allem mit Fischfang, Landwirtschaft und Tourismus bestreiten. Und wenn man dann so auf seinem Fahrrad über die Insel radelt, sich die wunderschöne Landschaft und das ruhige Meer anschaut, kann man kaum glauben, dass es irgendwo auf der Welt Kriege, Missstände und Probleme gibt. Da fragt man sich, wieso es nicht überall so schön friedlich sein kann wie hier, auf Inis Mór. Auf der Insel im Atlantik, einem überschaubaren, kleinen Ort, an dem der Alltagsstress, die negativen Schlagzeilen über Terrorismus, Embargos und die neu entfachte Diskussion über die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft in ganz, ganz weite Ferne rücken. Einer Insel, auf der man einmal tief Durchatmen kann und dabei hofft, so viel Gelassenheit wie nur möglich einzuatmen und mit nach Hause zu nehmen. Denn dorthin zurück geht es doch meist schneller als einem lieb ist. Am späten Nachmittag war es nämlich leider schon wieder soweit und gemütlich schippernd ging es zurück aufs Festland. Gerne wäre ich noch länger geblieben und beim nächsten Mal würde ich auf jeden Fall eine Übernachtung auf Inishmore einplanen, denn dort ist es nicht nur abenteuerlich und wunderschön, sondern auch schön ruhig und leise.

Und so schön friedlich.

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