NYC Neighbourhoods: Harlem – Vom Ghetto zum Trendviertel?

The family on the upper side of town would catch hell without a ghetto around. In every city you’ll find the same thing going down. Harlem is the capital of every ghetto town.

– Bobby Womack

Vierzig Jahre ist es her, dass Bobby Womack in “Across 110th Street” so schlecht über das im nördlichen Teil Manhattans gelegene Harlem sang. Doch das Bild eines schwarzen Ghettos, in dem Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität an der Tagesordnung standen, hat sich inzwischen gewandelt.

Geschichtskurs

Im 16. Jahrhundert gründeten Holländische Pioniere die erste europäische Siedlung in dem Gebiet, das man heute als Harlem kennt. Damals noch nach der holländischen Stadt Haarlem als „Niew Haarlem“ bezeichnet, erlangte das Stadtviertel seinen heutigen Namen „Harlem“ erst durch eine Umbenennung der Engländer, die mit einem Sieg über die Holländer die gesamte Kolonie „Niew Amsterdam“ einnahmen und denen die Stadt ebenfalls den Namen „New York“ zu verdanken hat. Die bis ins 19. Jahrhundert noch recht abgeschiedene Gegend, die bis dahin nur mittels Dampfschiff und Kutsche zu erreichen war, entwickelte sich erst Ende des 19. Jahrhunderts zu einem städtischen Vorort New Yorks, nachdem das Gebiet durch die Bahn mit dem Rest der Stadt verbunden wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts siedelten sich sodann vermehrt Immigranten an, unter denen sich insbesondere viele Afroamerikaner befanden, die während der „Great Migration“ vor der Diskriminierung in den amerikanischen Südstaaten nach Norden flohen. 

Die zweifache Renaissance

Der Zuzug afroamerikanischer Familien löste zwischen 1920 und 1930 eine Bewegung – die berühmte Harlem Renaissance – aus, die die Blüte der afroamerikanischen Kunst beinhaltete. Tanz- und Musikclubs wurden in Harlem immer populärer, die nicht nur große Künstler, sondern vor allem das große Publikum anlockten. Tatsächlich traten in den heute legendären Clubs wie dem “Cotton Club” oder “Savoy Ball Room” die besten Jazzmusiker der damaligen Zeit auf, wodurch das Viertel auch für die weiße Bevölkerung, die in der Prohibitionszeit hier auch einfacher an Alkohol gelangte, wieder attraktiver wurde. Als sich jedoch nach dem Krieg die Lebensstandards nicht verbesserten, blieb die Lage in Harlem angespannt. Die Gegend verwahrloste zunehmend und bis zu den 1970er und 80er Jahren hatte sich das Viertel in ein gefährliches Ghetto entwickelt, in dem Drogen, Arbeitslosigkeit und Kriminalität an der Tagesordnung standen. Für Weiße und für Touristen war die Gegend zu dieser Zeit tatsächlich eine absolute “No-Go Area”, die man generell besser meiden sollte.

Erst als in den 1990er Jahren durch einen umfassenden Aktionsplan die „Zero Tolerance Policy“ gegen die hohe Kriminalitätsrate in ganz New York eingeführt wurde, entwickelte sich auch Harlem in eine andere Richtung. Als sodann die Gegend durch großflächige Renovierungsmaßnahmen insgesamt aufgewertet wurde, erlebte Harlem sozusagen eine zweite Renaissance. Durch günstige Mietpreise wurden immer mehr junge Leute aus südlicheren Teilen Manhattans angelockt, was schnell die Aufmerksamkeit von Bauherrn und Immobilienmogulen weckte, die fortan in das Stadtviertel Harlem investierten.

Urbanes Viertel

Heutzutage ist Harlem weitestgehend sicher, auch wenn Besucher noch immer Vorurteile gegen das Viertel zu hegen scheinen. Doch was gibt es eigentlich nördlich der 96. Straße zu sehen?  Schon immer war Harlem weniger für architektonische Highlights oder Sehenswürdigkeiten bekannt, sondern vielmehr für sein besonderes Ambiente, das auch heute noch mit vielen Jazzgrößen wie Louis Armstrong und legendärer Soulmusik in Verbindung gebracht wird. Ein Besuch Harlems ist heute bereits deshalb interessant, um einmal den Unterschied zur Schnelllebigkeit Midtowns zu erleben. Die Straßen in Harlem sind weder überfüllt, noch sind sie ausgesprochen ansehnlich, doch sobald man erst einmal ein Café oder Restaurant betritt, offenbart sich das multikulturelle Beisammensein der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen.

Sehenswert ist das Apollo Theatre, in dem bereits zahlreiche Musiklegenden wie beispielsweise die Jackson Five, Diana Ross, Marvin Gaye oder James Brown auftraten. Hübsch anzusehen sind auch die sanierten Brownstone Häuser. Der Besuch eines Gospelchors sollte man sich in Harlem auch nicht entgehen lassen. Die Abyssinian Baptist Church bietet beispielweise immer mittwochs um 19:00 Uhr einen öffentlichen Gottesdienst an, an dem auch Nichtmitglieder teilnehmen und sich von unglaublichen Soulstimmen beeindrucken lassen können.

Bleibt noch zu klären, wie man heutzutage überhaupt nach Harlem kommt? Die Antwort ist einfach, denn das hat uns ja bereits vor vielen Jahren das Duke Ellington Orchestra in dem von Billy Strayhorn komponierten Song „Take the A Train“ erklärt.

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