Frühstück mit Elefanten – Vom Suchen und Finden des Glücks

Von der Hauptstadt in die Wildnis, vom Großstadtdschungel in den Busch. Vom Gewohnten (oder dem Gewöhnlichen?) in die dunkle Ungewissheit. Nimm’ Dir einen Moment Zeit und denk einmal darüber nach – würdest Du dich das trauen?

Ich sitze im Flieger, während ich diese Zeilen schreibe – bin selbst mal wieder in der Weltgeschichte unterwegs und einmal mehr so dankbar für die vielen neuen Eindrücke und Erlebnisse, die ich habe sammeln dürfen. Und doch sitze ich nun hier im Flieger Richtung Heimat und habe Fernweh. Irgendwie absurd, oder? Doch das eigentlich Interessante daran ist, dass mein Fernweh nicht aus dem Ende meiner Zeit „on the road“ resultiert, sondern weil ich den Buchrücken eines Buches zugeschlagen habe, das mich ganz tief im Inneren berührt hat.

Für dieses Buch, um das es heute auf Join The Sunny Side geht, habe ich mir extra Zeit zum Lesen genommen, wollte nicht abends oder am Wochenende immer mal wieder ein paar Seiten davon überfliegen. Nein, ich wollte es am Stück lesen können, wollte es gerne auf Reisen lesen – wenn der „Kopf frei“ ist und ich genug Zeit zum Nachdenken habe. Warum? Weil ich schon bevor ich das Buch auch nur das erste Mal in den Händen hielt genau wusste, dass es wundervoll werden würde – wundervoll bewegend. Denn die Geschichte der Buchautorin und Bloggerkollegin Gesa Neitzel verfolge ich nun schon eine ganze Weile – zumindest virtuell auf ihrem Reiseblog Wonderful Wild. Im letzten Jahr hatte ich euch ihren Blog sogar in meinen „5 Reiseblogs, die ihr unbedingt lesen solltet“ empfohlen. Umso mehr freute ich mich natürlich darauf, ihre Reise nach Afrika nun auch noch einmal Schritt für Schritt nachvollziehen zu können.

Worum geht’s?

Gesa Neitzel wagt sich von Berlin in den Busch. Ihr Ziel: die Ausbildung zur Safari-Rangerin in Afrika. Das bedeutet zwölf Monate in einem einfachen Zeltlager. Ohne Internet, ohne Badezimmer, ohne Türen — dafür aber mit Zebras, Ameisenbären und Skorpionen. Die Ausbildungsinhalte bestehen aus Fährtenlesen, Überlebenstraining, Schießübungen. Wie schlägt sich eine junge Frau in dieser fremden Welt? Kann sie sich auf ihre Instinkte verlassen? Funktionieren die eigentlich noch? Sie erzählt von atemberaubenden Begegnungen mit Elefanten und Löwen, vom Barfußlaufen durch die Savanne, von langen Nächten unterm Sternenhimmel — und von einem Leben, das endlich richtig beginnt.

Hallo Welt, hallo Leben!

Gesa hat etwas geschafft, wovor viele Angst haben – sie hat sich getraut! Sie hat ihr sicheres Leben in der Heimat, ihren festen Job in Berlin, wo sie schon seit zehn Jahren lebte und arbeitete, aufgegeben und das kalte Deutschland hinter sich gelassen. Mehr noch hat sie getan – sie hat auf ihr Herz gehört und sich auf die Suche begeben nach einem Leben, das sie glücklich macht. Dafür hat sie sich eine Frage gestellt, die sich sicher viele irgendwann im Leben einmal stellen, wenn man jeden Tag aufs Neue, fünf Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr lieblos den Wecker am Morgen ausdrückt und sich in den Tag schleppt, der ein weiterer Tag im Hamsterrad sein wird:

Das kann doch noch nicht alles sein?

Für Gesa kommt dann dieser eine Tag, vielleicht sogar der eine Tag zu viel, an dem sie einen Entschluss fasst: Sie wird nach Afrika gehen, um sich dort als Rangerin ausbilden zu lassen. Was für den Leser bereits unglaublich klingt, kann sie selbst in diesem Moment noch am wenigsten fassen. Wie soll eine Frau, die sich vor Krabbeltieren ekelt und eigentlich noch überhaupt keine Ahnung davon hat, wie man in der Wildnis zurecht kommt, geschweige denn dort überleben könnte, in den afrikanischen Busch gehen? Doch da ist eben auch die Neugier und das Wissen, dass sie ihr Leben in Berlin auf Dauer nicht glücklich machen wird, die Antrieb genug sind, über den eigenen Schatten zu springen und das vermeintlich Unglaubliche zu wagen: einen neuen Lebensanfang. Ein Sprung ins kalte Wasser, an dem sie den Leser auf eine unvergleichliche Weise teilhaben lässt. Auf einmal hat man das Gefühl, man säße selbst in dem Flieger Richtung Afrika mit einer gehörigen Portion Selbstzweifel im Handgepäck und als stünde man dann mit den eigenen Füßen auf afrikanischem Boden und wagt den Anfang einer Reise, die das Leben verändern könnte. Für Gesa ist genau das passiert: ihr Leben hat sich um 360° gedreht. Sie nimmt uns mit in die Wildnis Afrikas, lässt uns nicht nur an ihrem Lernprozess über die unfassbar faszinierende Natur und Tierwelt teilnehmen, sondern auch an ihren existenziellen Fragen (Was mache ich eigentlich hier? Wie geht es nach der Ausbildung weiter? Kann ich wirklich hier „unten“ in Afrika leben und arbeiten?). Es ist die Art und Weise, wie sie über die Erfahrungen, die Tierwelt und vor allem auch die Menschen schreibt, die sie auf ihrer Reise kennenlernt, die den Leser in den Bann ziehen und, zumindest mich, das Buch selten haben aus der Hand legen lassen.

Verschlungen habe ich ihre Geschichte, habe sie aufgesogen mit all meinen Sinnen und wurde in eine Welt transportiert, die Lust auf das Leben macht, die das Fernweh aufs Neue entfacht und mir mal wieder bewusst gemacht hat, wie viele Abenteuer „da draußen“ noch auf uns warten.

Gesa, ich danke dir für deinen Mut nach Afrika zu gehen und uns an deiner wundervollen Geschichte teilhaben zu lassen. Und für dein unbeschreibliches Talent, deine Geschichte so zu erzählen, dass wir sie nicht nur lesen, sondern sogar das Gefühl haben können, tatsächlich dabei zu sein. So als würde man auf einmal selbst mitten im Busch stehen, Freunde fürs Leben finden, den wilden Boden unter den nackten Füßen spüren und dem Elefantenbullen geradewegs in die Augen schauen.

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