Zum Frühstück bei den Kängurus – Cape Hillsborough National Park

Eines muss man ihm lassen, dem Cape Hillsborough National Park: gut versteckt hat er sich! Der knapp 50km nördlich von Mackay an der australischen Ostküste gelegene Nationalpark findet sich selten in Reiseführern und selbst wenn man dann mit dem Auto auf dem Weg dorthin unterwegs ist, gleicht es beinahe einem Zufall, wenn man die richtige Abzweigung überhaupt erwischt. Warum sich die Suche aber auf jeden Fall lohnt und ich dort eine meiner schönsten Australienerinnerungen sammeln konnte, das erzähle ich euch heute auf der Sunny Side.

Gut versteckt, kaum bekannt

Spätestens als ich gehört hatte, dass den Cape Hillborough National Park ein ganz besonderes Ritual auszeichnet, war mir klar, dass ein Stopp während des Roadtrips entlang der australischen Ostküste unbedingt eingeplant werden musste. Jeden Morgen in der Dämmerung sollte hier nämlich eine Herde von Kängurus aus dem umliegenden Regenwald an den Strand hoppeln, um dort mit ein paar Schlucken Meerwasser ihren Salzbedarf des Tages decken zu können. Ob das tatsächlich stimmte und ob man die Kängurus überhaupt zu Gesicht bekommen würde, wusste ich vor meiner Ankunft dorthin nicht. Aber hey, allein die Chance darauf, dieses einzigartige Bild, das sich davon in meinem Kopf abzeichnete in Wirklichkeit sehen zu können: Da war ich natürlich dabei!

Fehlte also noch eine Unterkunft, die sich möglichst nah am Geschehen befand, denn so verlockend die Idee von dem Frühstück bei den Kängurus auch sein mochte, der Gedanke daran, dass der Wecker dafür eine Uhrzeit anzeigen müsste, die meilenweit von dem entfernt ist, was man normalerweise als annehmbare Aufstehzeit bezeichnen könnte, war das einzige Manko an der Geschichte.

Entschieden hatte ich mich dann schlussendlich für eine Hütte am Strand im Cape Hillsborough Nature Resort, bei der sich noch die Frage stellte, wie ich bloß dorthin finden würde. Wenig ausgeschildert, lotste das Navi mich schließlich über eine, nennen wir es mal „Abkürzung“, die mich um halb elf am Abend über eine unbefestigte Straße führte, auf der auf einmal ein dutzend Kühe vor mir standen. Abgesehen davon, dass Kühe im Dunkeln erstaunlich unheimlich sein können, hatte sich der Trip eigentlich allein für dieses kuriose Reiseerlebnis schon gelohnt.

Wenn der Wecker um 4:30 Uhr klingelt

Tatsächlich kam ich dann gegen halb zwölf noch im Resort an und selbst wenn die Abkürzung des Navis wahrscheinlich stimmen mochte, so hatte es zumindest die Verzögerung durch Kuhverkehr nicht eingeplant. Kein Problem, Hauptsache endlich angekommen. Denn um 4.30 Uhr klingelte auch schon wieder der Wecker und für ein paar Augenblicke fragte ich mich mal wieder, warum meine fixen Ideen mich manchmal so sehr des Schlafes berauben mussten, bis ich mich dann doch schließlich auf den kleinen Spaziergang zum Strand begab (puh, und das ohne Kaffee).

 

Good Morning, Mr. Kangaroo

Es dauerte nicht sehr lange, bis die Müdigkeit verflogen war. Spätestens als ganz plötzlich eines der Kängurus nur unweit entfernt an mir vorbei hoppelte und ihm ein Dutzend andere folgten, beobachtete ich gebannt das Spektakel.

Irgendwie magisch war dieser Moment, wenn es am Horizont langsam immer heller wird und die Schatten der Tiere immer mehr Kontur annehmen.


Ein Bild, das man nicht alle Tage sieht und das sich in diesem Moment so sehr in meinem Kopf festgesetzt hat, dass es noch heute meine Sehnsucht nach Australien immer wieder auf ein Neues entfacht, wenn ich an dieses wunderbare Land auf der anderen Seite der Erde denke. Kängurus – ohnehin schon ein Erlebnis; Kängurus am Strand – eine unvergessliche Erfahrung, aber dann auch noch Kängurus am Strand in der Morgendämmerung, während sich die Sonne ganz langsam ihren Weg über den Horizont hinweg bahnt – ein unbezahlbares Erlebnis, das ich niemals mehr missen möchte.

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