Als ich Anfang 2020 mit meinem Freund auf große Weltreise startete, hätte ich wohl mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass mit Covid-19 eine globale Pandemie die Welt wie wir sie kennen lahmlegen würde. Und sicher auch nicht damit, dass es Mitte April für mich mit der Rückholaktion der Bundesregierung aus Neuseeland wieder zurück nach Deutschland geht.

Reisepläne 2020 …und dann kam Corona

Dubai, Australien, Neuseeland, Bali, Japan, Südamerika … nur einige schöne Reiseziele, die auf dem Reiseplan für 2020 standen. Nachdem es gleich nach dem Jahreswechsel für den ersten Stopp der Weltreise nach Dubai ging, stand kurze Zeit später eines meiner liebsten Reiseziele auf dem Reiseprogramm: Australien.

Spätestens seit meinem Auslandsstudium vor einigen Jahren hatte ich mich in dieses Land verliebt und konnte es kaum abwarten, mit genug Zeit im Gepäck in Ruhe Western Australia zu erkunden. Anderthalb Monate lang ging es durch Südwestaustralien und dann mit dem Campervan von Perth bis nach Exmouth und wieder zurück.

Coronavirus? Das hatte man zu diesem Zeitpunkt am Rande wahrgenommen. Zu Beginn der Australienreise gab es vereinzelte Meldungen, dass Fälle einer mysteriösen Lungenkrankheit in China auftraten.

„Weit weg“ vom Rest der Welt, sahen die Australier das Coronavirus zu diesem Zeitpunkt noch recht entspannt. Wie hätte man auch ahnen können, dass Wochen später die ganze Welt davon betroffen sein würde.  

Mitte Februar ging die Reise von Perth aus weiter nach Neuseeland. Covid-19 war inzwischen in den Schlagzeilen angekommen, insbesondere nachdem das Virus nun auch Europa erreicht hatte. In Australien sah die Lage im Vergleich zu Europa sehr anders aus und das Reisen war von Perth aus noch ziemlich entspannt möglich. Eine Maskenpflicht und Sicherheitsabstände mussten am Flughafen und im Flugzeug weder in Australien noch in Neuseeland eingehalten werden.

Reisen zu Corona Zeiten RückholaktionJanuar 2020 in Western Australia – Als das Coronavirus noch ganz weit weg schien

Coronavirus in Neuseeland: Die ersten Fälle

Die Einreise nach Neuseeland verlief unkompliziert. Einreisebeschränkungen für ausländische Staatsangehörige gab es zu diesem Zeitpunkt wie anderenorts auf der Welt ausschließlich für diejenigen, die vom chinesischen Festland nach Neuseeland reisten oder das chinesische Festland durchquert hatten.

In Neuseeland selbst war das Virus bislang nicht angekommen, weshalb das Reisen innerhalb des Landes zu diesem Zeitpunkt auch ohne Einschränkungen möglich war. Wenn ich heute daran zurückdenke, dass ich zum Jahresbeginn noch so unbeschwert reisen konnte, kommt mir das inzwischen, mit alledem was zwischenzeitlich auf der Welt geschehen ist, vor wie vor Jahren und nicht wie vor wenigen Monaten.

Es dauerte bis zum 28. Februar, dass der erste Corona-Infizierte in Neuseeland schließlich bestätigt wurde. Zu einem Zeitpunkt als auf der Welt zum ersten Mal mehr Fälle aus Ländern außerhalb Chinas als aus China selbst gemeldet wurden.

Während Europa inzwischen das Epizentrum der Pandemie war, bestätigte Neuseeland am 14. März (erst) den sechsten Covid-19-Fall und die neuseeländische Regierung führte (mit wenigen Ausnahmen) für alle Einreisenden die Pflicht der vierzehntägigen Selbstisolation nach der Einreise ein.

Jacinda Ardern, die neuseeländische Premierministerin teilte außerdem mit, dass alle Touristen, die nach Neuseeland einreisten und sich nicht selbst in Quarantäne begaben, abgeschoben werden würden (was dann kurzerhand auch genau so mit zwei Touristen aus Südostasien gehandhabt wurde).

Sehr interessant fand ich, wie die neuseeländische Regierung mit dem Coronavirus im eigenen Land umging. Der Tonus war ernst und bestimmt, aber immer so gewählt, dass man sich als jemand, der sich zu diesem Zeitpunkt in Neuseeland aufhielt, sehr gut informiert und um ehrlich zu sein ziemlich gut aufgehoben fühlte. In einer täglichen Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums wurde die Bevölkerung Tag für Tag ausführlich über den aktuellen Stand informiert. Auf einer eigens eingerichteten Website und der Website des Gesundheitsministeriums konnte man sich jederzeit über alle vorhandenen und neuen Fälle informieren.

Tatsächlich wurde (und wird sogar noch heute) auf einer Current Cases“-Seite jeder einzelne Covid-19-Fall mit Hinweis auf den Ort und den Ursprung („Overseas Travel“ oder nicht) aufgeführt. Zu Beginn waren sogar bei einem Bezug des jeweiligen Falls zu „Overseas Travel“ die einzelnen Flugnummern gelistet. Warst du also zu dieser Zeit ebenfalls mit dem Flugzeug unterwegs, konntest du dich somit über die Website selbst informieren, ob dein Flieger betroffen war oder nicht.

Auch die übrige, an die Bevölkerung gerichtete Kommunikation im Land ist mir sehr positiv aufgefallen. So liefen beispielsweise im Radio vor nahezu jeder Werbeunterbrechung „Covid-19 Announcements“ mit aktuellen Hinweisen und Informationen. In den sozialen Medien (insbesondere auf Instagram) erschienen passende Werbeanzeigen der Regierung mit Hinweisen zu Hygienemaßnahmen und aktuellen Informationen. Der Tonus war dabei immer ernst aber auf die Botschaft „Wir schaffen das gemeinsam“ ausgerichtet.

Neuseeland: Pandemieplan, Lockdown und die Rückholaktion

Nachdem die Fälle langsam anstiegen, führte die neuseeländische Regierung schließlich am 21. März ein vierstufiges Warnsystem zur Bekämpfung von Covid-19 ein, wobei das Land gleich mit Einführung dieses Pandemieplans auf Stufe zwei eingestuft wurde. Stufe 2 bedeutet, dass die Krankheit eingedämmt ist, aber das Risiko einer Übertragung durch die Gemeinschaft besteht. Jeder sollte zwar wachsam sein, aber im Grunde konnte man noch recht uneingeschränkt seinem gewöhnlichen Tagesablauf nachgehen.

Zwei Tage später, am 23. März kam dann allerdings die Wendung, nachdem vereinzelte Fälle nicht mehr ausschließlich auf Überseereisen zurückzuführen waren und eine „Community Transmission“ deshalb nicht mehr ausgeschlossen werden konnte.

Jacinda Ardern setzte das Land aus diesem Grund mit sofortiger Wirkung auf Alarmstufe drei und kündigte an, innerhalb von 48 Stunden auf Stufe 4 zu wechseln, was schließlich den kompletten Lockdown brachte.

Im Vergleich zu anderen Ländern mag dies mit Blick auf die kleine Anzahl an Fällen, die nicht zurückverfolgt werden konnten, als eine sehr „schnelle“ und einschneidende Maßnahme erscheinen. Meines Erachtens für Neuseeland als Inselstaat aber genau die richtige Entscheidung. Denn Neuseeland war im Vergleich zum Rest der Welt zu diesem Zeitpunkt in einer sehr „komfortablen“ Lage. Das Land hatte tatsächlich noch die Möglichkeit, das Virus mit einem kompletten Lockdown auszumerzen.

Meldung Lockdown Neuseeland RückholaktionKurz vor dem Lockdown wurde diese Meldung an jedes Mobiltelefon in Neuseeland gesendet

Die Entscheidung nach Hause zu fliegen

Als wir vom Lockdown erfuhren, waren wir gerade im Campervan auf der Südinsel Neuseelands unterwegs. Da das Land innerhalb von 48 Stunden also nun von Stufe 2 auf Stufe 4 wechselte, mussten wir schnell handeln und vor allem entscheiden, wo wir den Lockdown verbringen würden.

Im Lockdown selbst, der vorerst für vier Wochen angesetzt war, war ein Reisen logischerweise nicht mehr möglich und wir entschieden uns kurzerhand, den Campervan zurückzugeben und stattdessen ein Apartment in Christchurch zu beziehen. Christchurch war vor allem deshalb die Stadt unserer Wahl, da sich hier auch ein internationaler Flughafen befindet.

Christchurch während des LockdownsChristchurch während des Lockdowns

Lange haben wir diskutiert, wie bzw. ob unsere Reise weitergehen soll. Tatsächlich haben wir auch überlegt, die Situation in Neuseeland erst einmal auszusitzen, denn im Grunde war die Coronavirus-Lage hier im Gegensatz zur Heimat und fast allen anderen Orten auf der Welt deutlich besser.

In Christchurch ging es uns gut. Wir durften das Haus während des Lockdowns für Spaziergänge oder Sport verlassen, konnten einkaufen gehen und hatten in unserem kleinen Town House eigentlich alles, was wir brauchten.

Absehbar war aber natürlich nicht, wie sich die Situation weiterentwickeln würde und die Ereignisse weltweit überschlugen sich auf einmal. Länder schlossen ihre Grenzen und auch die internationalen Flughäfen machten nach und nach dicht. Nicht abschätzbar war also, ob eine Heimreise in einigen Monaten zurück nach Deutschland überhaupt möglich sein würde.

Ausschlaggebender Grund für eine Heimreise war aber schlussendlich die Sorge, dann nicht nach Hause fliegen zu können, wenn jemand aus der Familie erkranken würde oder sonst etwas in der Heimat passierte, das die Heimreise erfordern sollte.

Schweren Herzens entschieden wir uns also, die Weltreise auf unbestimmte Zeit zu unterbrechen und die Heimreise anzutreten. Das Auswärtige Amt hatte zwischenzeitlich verkündet, eine Rückholaktion aus Neuseeland zu starten, für die wir uns schlussendlich auch registrierten.

Ein Blick in die gängigen Flugvergleichsportale verdeutlichte uns nämlich leider dann auch, dass eine Heimreise über reguläre Flüge zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht mehr möglich gewesen wäre. Es sei denn, wir wären gewillt gewesen, 15.000 EUR aufwärts pro Person für einen Flug zu zahlen.

Ticketpreise Coronakrise Lockdown FlügeDie regulären Flugpreise Anfang April

Der Rückholflug: 25 Stunden von Christchurch nach Frankfurt

Fast drei Wochen verbrachten wir im Lockdown in Christchurch, nachdem wir uns für die Rückholaktion entschieden hatten. Die Deutsche Botschaft in Wellington setzte alle Hebel in Bewegung, um mehr als 10.000 (!) gestrandete Deutsche mit Maschinen der Lufthansa und Air New Zealand aus Neuseeland zurück nach Deutschland zu bringen. Ein wahnsinniger Kraftakt für eine so kleine Botschaft, die den größten Respekt verdient.

Als uns schlussendlich Mitte April ein Platz in einem Flieger der Lufthansa von Christchurch nach Frankfurt zugewiesen wurde, konnten wir irgendwie noch immer nicht wirklich glauben, was die vergangenen Wochen auf der Welt los gewesen war und dass es nun wieder nach Deutschland zurück gehen würde.

Der Rückholflieger der Lufthansa

Doch vor uns stand zunächst noch ein 25-stündiger Heimflug von Christchurch über Bangkok nach Frankfurt. Nicht nur für die Passagiere, sondern auch für die Crew und die Maschinen der Lufthansa eine Besonderheit, denn Neuseeland steht normalerweise nicht auf dem Lufthansa-Flugplan.

Am Flughafen und auch im Flieger selbst lief alles sehr organisiert und zivilisiert ab. Die Stimmung an Bord der Maschine, die bis auf den letzten Platz besetzt war, war gut und im Nachhinein ist der Gedanke sehr surreal, dass wir tatsächlich 25 Stunden in ein und demselben Flieger gesessen haben sollen, ohne einmal aussteigen zu können.

Denn die knapp einstündige Zwischenlandung in Bangkok war ausschließlich zum Tanken und Catering vorgesehen. Aussteigen durften die Passagiere aufgrund der thailändischen Corona-Bestimmungen nicht.

Die erste Etappe: Christchurch nach Bangkok

Das mag allerdings jetzt auch sehr viel schlimmer klingen, als es tatsächlich in dem Moment der Fall war. Klar, man kann sich nicht 25 Stunden lang die Zeit mit Serien und Filmen vertreiben, doch wir waren mental sehr gut auf den Flug eingestellt und die Stimmung an Bord war wie bereits erwähnt sehr gut.

Auch wenn im Flieger keine Sicherheitsabstände eingehalten wurden (bei der Anzahl an Personen, die nach Deutschland zurück wollten wahrscheinlich auch gar nicht eingehalten werden konnten) und kaum jemand eine Maske trug, hatten wir keine Angst, uns auf dem Rückflug anzustecken. Tatsächlich ging die größte Ansteckungsgefahr wahrscheinlich sogar vom deutschen Flugpersonal aus, da die Anzahl der Fälle in Deutschland deutlich höher war als in Neuseeland und alle Passagiere sich zuvor bereits über zwei Wochen im Lockdown in Neuseeland befunden hatten.

Der Rückholflieger – bis auf den letzten Platz besetzt

Weltreise vorbei?

Sehr glücklich schätze ich mich, dass ich in diesem Jahr bereits so viele tolle Reiseziele bereisen konnte, von denen ich nun sehr gut zehren kann.

Ebenfalls unglaublich dankbar bin ich dafür, in einem Land zu leben, dass seine Bürger mit einer unvergleichlichen Rückholaktion in einer globalen Pandemie auch von einem Reiseziel wie Neuseeland (das viel weiter von Deutschland nicht entfernt sein könnte) zurück in die Heimat bringt. Das ist absolut nicht selbstverständlich und das weiß ich sehr zu schätzen.

Gereist bin ich seither in diesem Jahr nicht mehr und falls doch noch einmal eine Reise in 2020 anstehen sollte, dann für mich nur innerhalb Deutschlands oder gegebenenfalls in unmittelbare Nachbarländer, sofern es die aktuelle Situation zulassen sollte.

Die Weltreise ist für dieses Jahr vorbei und das ist auch vollkommen in Ordnung so. 2020 ist einfach kein Reisejahr und ich habe stattdessen viele andere tolle Erfahrungen machen können und mich auf andere Themen fokussiert.

Die Reise wird irgendwann weiter gehen, wenn die richtige Zeit dafür gekommen ist. Und weißt du was? Ich freue mich schon jetzt riesig darauf, denn dann warten nicht nur viele tolle Reiseziele auf uns, sondern das Corona-Thema haben wir bis dahin hoffentlich auch endlich hinter uns.

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