Vom 6h-Arbeitstag zu After-Work-Drinks – Meine Working-Life-Erfahrungen rund um den Globus

So here’s the deal: vor kurzem haben Medien weltweit berichtet, dass Schweden Sechs-Stunden-Arbeitstage einführen möchte und dieses Konzept sogar teilweise schon umgesetzt hat. Seit einem Jahr bereits soll die Stadt Göteborg beispielsweise den Sechs-Stunden-Tag für städtische Angestellte eingeführt haben und das mit Erfolg – weniger Krankmeldungen, zufriedenere Mitarbeiter.

Die Idee

Sechs Stunden statt acht Stunden am Tag arbeiten und das bei gleichbleibendem Gehalt. Die Idee dahinter ist simpel. Wer kürzer arbeitet, muss sich seine Arbeitszeit effizienter einteilen. Sechs vollkonzentrierte, effektive Stunden auf der einen und dafür mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben auf der anderen Seite.

Ob die Schweden tatsächlich so ein lockeres Völkchen sind und durchweg sechs Stunden Arbeitstage einführen werden, bezweifle ich (und übrigens auch so manch anderer). Tatsächlich ist die Idee nicht neu, sondern wurde in Schweden bereits vor mehreren Jahren ausgetestet. Durch das „Göteborg-Modell“ kam sie nun erneut ins Gespräch. Anyhow, ob neue Idee oder nicht. This got me thinking – Wie würde so ein Sechs-Stunden-Arbeitstag funktionieren? Und würde dieses Konzept in Deutschland überhaupt aufgehen?

Wie machen das denn die anderen?

Während meiner Zeit im Ausland ist mir eines mehr aufgefallen denn je – wir Deutschen sind nicht gut in dem was andere „Work-Life-Balance“ nennen. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gut an die wohl entspanntesten Menschen der Welt – die Australier. Die arbeiten zwar auch nicht weniger als die Deutschen, gehen aber mit dem Arbeiten an sich viel lockerer um. Nach dem Arbeitstag gönnen sich die Kollegen beispielsweise regelmäßig gemeinsam den ein oder anderen After-Work-Drink. In vielen Bars und Cafés gibt es spezielle Angebote für die Zeit von 17.00 – 19.00 Uhr. Das ist natürlich in Deutschland auch nichts Unbekanntes, anders als in Good Old Germany waren die Bars in Down Under aber tatsächlich mit Herren und Damen in Anzügen und Kostümen gefüllt, die sich bei einem kühlen Getränk entspannt unterhielten. Ein angenehmer Geräuschpegel war zu vernehmen, der nicht nur Gespräche über die Arbeit, sondern beispielsweise auch das BBQ am Wochenende enthielt. Schon damals habe ich mich gefragt, warum so etwas in Deutschland nicht ebenso gut funktioniert.

Standortwechsel – in New York sieht die Sache noch einmal ganz anders aus. Das Arbeitsklima in Manhattan ist anders. Anders als in Australien. Anders als in Deutschland. Wahrscheinlich anders als überall sonst auf der Welt. Hier gibt es alles im Überfluss. Ganz gleich, was man haben will, man bekommt es. Neue Ideen, Geschäfte, Restaurants an jeder Straßenecke. Kein Wunder also, dass derjenige, der erfolgreich sein will schnell sein muss. Sonst wird ihm die Geschäftsidee noch vor der Nase weggeschnappt. Survival of the fittest. Klar, Manhattan ist ein extremes Beispiel wenn es ums Arbeiten geht. Arbeitszeitverkürzung? Hier? I don’t see it. 

Mit einer Kollegin habe ich mich neulich einnmal über die Arbeitsbedingungen in den USA unterhalten. Als sie mir von ihren zwölf Urlaubstagen im Jahr erzählte, blieb mir fast der Mund offen stehen. Vor einem halben Jahr erst hatte sie den Job begonnen und schätzte sich noch vergleichsweise glücklich, überhaupt schon Urlaub nehmen zu dürfen. Denn im ersten Arbeitsjahr hat man wohl oftmals gar keinen Urlaubsanspruch. Sollten ihre vertraglichen Urlaubstage nicht ausreichen, darf sie allerdings zusätzlich unbezahlten Urlaub nehmen. Beschwert hatte sie sich trotzdem nicht. Womöglich, weil sie es nicht anders kannte.

Umsetzbar oder nicht?

Doch kommen wir von der Wall Street zurück zur Frankfurter Börse. Ganz ehrlich, wer hier einen Sechs-Stunden-Tag vorschlägt, wird doch wahrscheinlich ausgelacht. Sicher auch in anderen Branchen. In den Sinn kommen mir da spontan internationale Top-Kanzleien. “Haha”, höre ich den Partner aus seinem gläsernen Büro im 38. Stück da schon tönen. Es ist ein “Haha” im Sinne von “Du kannst nach Hause gehen”.

In jeder Branche würde das Konzept des „Sechs-Stunden-Arbeitstags“ sicher nicht funktionieren. Denken wir beispielsweise mal an Dienstleistungsberufe wie die in der Gastronomie oder in Krankenhäusern, die quasi rund um die Uhr funktionieren müssen. Doch auch in vielen Bürojobs ist man manchmal auf Rückmeldung von anderen Stellen, auf Entscheidungen „von oben“, auf den Ausgang eines Meetings angewiesen oder muss zwischendurch auch die täglich anfallenden Aufgaben erledigen. Kann man das alles wirklich so viel effizienter gestalten, dass man die Arbeit auf sechs Stunden am Tag reduzieren kann?

Was also dann?

Was hinter der Idee des Sechs-Stunden-Modells doch eigentlich steckt, ist ein Umdenken. Das haben die Australier beispielsweise schon ganz gut hinbekommen. Dort wurde das Arbeiten an sich anders als in Deutschland wahrgenommen. Nicht als Arbeiten um des Arbeitens Willen, sondern als notwendiges Mittel, um in der Freizeit gut leben zu können. Ob das “Sechs-Stunden-Arbeitstag”-Konzept oder vergleichbare Modelle wie beispielsweise die Vier-Tage-Arbeitswoche, in der man vier Tage etwas länger arbeitet, dafür aber den fünften Tag frei hat, ein solches Umdenken bewirken können, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Sicher hängt der Erfolg aber auch stark von den unterschiedlichen Arbeitsmentalitäten in verschiedenen Branchen, Ländern und Berufen ab. 

Was haltet ihr von einem Sechs-Stunden-Arbeitstag oder vergleichbaren Modellen und wie würde eure perfekte Arbeitswoche aussehen?

12 Comments
  1. Das hört sich alles wunderbar an – wer würde nicht gern einen sechs statt acht Stundentag haben. Aber ich glaube nicht, dass das ein Modell ist das umsetzbar ist. Viele Menschen machen sogar noch Überstunden um ihr Pensum zu schaffen, da würde ein sechs-Stundentag nur noch mehr Stress bereiten.

    Liebst
    Laura von http://www.mrssparkle.de

  2. Ich habe auch mal ein Praktikum in Australien gemacht und da ist mir diese Gelassenheit auch aufgefallen. Es war ganz interessant zu sehen, dass mir als Deutsche so etwas direkt positiv aufgefallen ist. Schade eigentlich.
    Das mit den Urlaubstagen in den USA ist ja krass. Da kommt man ja hinten und vorne nicht mit hin!
    Danke für die Einblicke,
    xx Kathrin

  3. Einen Sechs Stunden Arbeitstag könnte ich mir gut in Behörden vorstellen. Aber in der freien Wirtschaft auf keinen Fall. Da regiert der Wettbewerb, entweder man gibt alles oder man ist raus.

  4. Ich würde es herzlich begrüßen, aber es ist vermutlich nicht umsetzbar in Deutschland oder Österreich. Dazu sind wir zu leistungsorientiert, wobei es natürlich nicht so schlimm ist wie in NYC oder Japan. Darüber bin ich aber dann auch wieder froh.

  5. Sehr gelungener Artikel. Sechs Stunden arbeiten, das klingt ja wirklich sehr verlockend. Ich finde aber z.B. auch den Ansatz nicht schlecht, an gar keine Zeiten gebunden zu sein. Warum sollte man nicht schon nach vier Stunden gehen können, wenn man sein Arbeitspensum auch in der Zeit schon geschafft hat? An einem anderen Tag gibt es dafür dann eventuell mehr zu tun und man bleibt vielleicht sogar zehn Stunden. Aber auch das ist wahrscheinlich nicht umsetzbar oder aber stark von der Branche abhängig.

  6. Ich finde den Sechs-Stunden Tag eine tolle Idee und würde mich sofort für eine Stelle bewerben, wenn ich nicht selbstständig wäre 😉 Da kann man natürlich von einem 6h Tag nur träumen, aber dafür hat man sich ja auch bewusst entschieden.
    Viele Grüße,
    Amy

  7. Ich finde das Prinzip gar nicht so verkehrt, je nach Branche. Ich denke nämlich auch, dass in vielen Betrieben weitaus effizienter gearbeitet werden würde, wenn man sich seine Arbeit nun wirklich besser einteilen und “durcharbeiten” muss, statt immer wieder zwischendurch “alles andere” zu machen…

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