Risiko? Vor Ostern in Jerusalem. Nein, eine sehr gute Erfahrung.

Ich freue mich sehr, heute diesen Gastbeitrag von Michael auf Join The Sunny Side veröffentlichen zu können. In der Oster-Vorwoche war er während einer Kreuzfahrtreise in Jerusalem und berichtet von seinen Erfahrungen aus der Stadt, die einige der bedeutendsten religiösen Stätten der Welt beherbergt.

Unser Ausflug war nicht mit dem Hauptveranstalter der Kreuzfahrt, sondern mit einem privaten Anbieter vor Ort vereinbart. Gut so, denn Eva Manger Israeltours führte ihn durch, eine Reiseleiterin, die bereits seit über 30 Jahren in Israel lebt. Erst wenige Tage zuvor hatte die Kreuzfahrtreederei die eigenen Angebote aus Risikoerwägungen gestrichen. Da das Auswärtige Amt jedoch keine geänderten Risikohinweise erkennen ließ, war das für uns nicht nachvollziehbar, so dass wir Jerusalem gleichwohl besuchten.

Eine sehr gute Entscheidung.

Eine geschichtsträchtige Stadt

Über die modernen, wenn auch nicht so modernen Lebensweisen wie in Tel Aviv – dem Berlin Arabiens – soll nicht berichtet werden. Zur Osterzeit geht es hier um die in der Altstadt von Jerusalem erlebbare Geschichte, die im Besuch des größten Heiligtums der Christenheit, der Grabeskirche, gipfelt.

In der Reihenfolge der Bibelgeschichte wurde auf unserem Ausflug zuerst der Ölberg, in Jerusalem als Olivenberg bezeichnet, besucht. Zwischen dem Ölberg und der Altstadt liegt eine mit Gräbern gepflasterte Ebene. Grund dafür ist, dass man dort liegen wollte, wenn der Messias zum Jüngsten Gericht durch die Stadtmauer von Herodes auf den Tempelberg einzieht. Dort wurde das entsprechende Tor daher vor langer Zeit zugemauert.

Von der Spitze des Ölbergs geht es weiter durch den Olivengarten von Gethsemane, in dem am Gründonnerstag Jesus seine Jünger ansprach und betete. Man sagt, dass die dort wachsenden Olivenbäume 1000 Jahre alt sind und auf den abgeschnittenen Wurzeln der vor 2000 Jahren bereits vorhandenen Bäume gewachsen sind. Beeindruckend.

Weiter ging es sodann mit dem Bus zu einem auf der anderen Talseite gelegen Tor, das in die Altstadt führt. Auch wenn es vor einem der Tore, dem Damaskustor, bereits sicherheitsrelevante Vorfälle gab, war davon während unserer Reise nichts zu spüren. Offen erkennbares Sicherheitspersonal und Militär war ohnehin an sich nur vor der Klagemauer ersichtlich – kurz vor dem Osterfest spricht dies für tourismusbezogene zurückhaltende Sicherheitsmaßnahmen.

Die hügelig verlaufenden Altstadtgassen sind sehr sauber, die vielen Händler zurückhaltend, das Angebot etwas devotionalienlastig, viele Kreuze, Figuren etc. Aber auch Schals oder das Jerusalemkreuz als Schmuck werden hier angeboten.

Nicht nur für Gläubige eine Reise wert

Die Grabeskirche ist ein Muss. Strengste Sicherheitsmaßnahmen hatte ich erwartet, auch keinen direkten Zugang, nur eine Kirche. Was tatsächlich den Besuch zu einem Erlebnis werden ließ, war der ungehinderte Zugang in die großzügige und über die letzten Stationen des Kreuzzugs überbaute Basilika. Dort sind sechs christliche Religionen für bestimmte Bereiche der Kirche zuständig, wenn auch mit Abstimmungsschwierigkeiten. Doch das ist eine andere Geschichte. Es hat jedoch auch für Nichtgläubige, aber Geschichtsinteressierte etwas, wenn man in der Kirche über Treppen den Hügel von Golgotha erklimmt, auf dem gekreuzigt wurde. Oder man als nächste Station vor dem Grab zum Salbungsstein kommt, den man anfassen und dabei überlegen kann, ob darauf damals wirklich der Gekreuzigte gewaschen und gesalbt wurde.

Das Grabmal in der, in einem weiteren Kuppelraum gelegenen Grabkammer war beeindruckend. Am Ostersamstag findet dort eine Zeremonie mit dem Wunder des Heiligen Feuers statt, wonach ein Geistlicher nach Prüfung durch israelische Beamte alleine und zuvor nach Hilfsmitteln durchsucht, dort hinabsteigt und in jedem Jahr ein nicht brennendes Licht erscheint, das seine Kerze anzündet. Eine Glaubenssache eben, aber auch interessant.

Ein weiteres Highlight: die Klagemauer. Jeder hat davon Bilder und Berichte gesehen. Aber die Möglichkeit, sich mit den dort zahlreich anwesenden ultraorthodoxen Juden bis direkt an die Mauer zu stellen, war beeindruckend. Tipp: Einen Wunschzettel vorbereiten, der dann in eine Mauerritze gesteckt und direkt von Gott gelesen wird, auch eine Glaubenssache.

Noch ein Tipp: Beim Bummel in der Altstadt einen Stopp in einem der zahlreichen Kleinrestaurants einlegen und eine Veggi-Falafel (Teigtasche mit vegetarischer Füllung) genießen, am besten mit einem Tee oder Granatapfelsaft.

Ein unglaublich beeindruckender Ausflug. Ganz gewiss nicht nur für Gläubige.

 

Sonja
Sonja

Born and raised in Germany hat es Sonja bereits mehrmals in die Ferne gezogen. Gelebt und gearbeitet hat sie dabei unter anderem schon im sonnigen Australien und zuletzt in der Weltmetropole New York. Neben dem Schreiben ist das Fotografieren eine ihrer größten Leidenschaften und wo ginge das schon besser als rund um den Globus? Du willst noch mehr erfahren? Hier geht's lang!

2 Comments
  1. Ich habe für dieses Jahr vorerst alle orientalischen Urlaubziele gestrichen und beobachte erstmal, obs 2017 entspannter wird. Mir ist aktuell das Risiko zu hoch, dass in den top Urlaubsorten etwas passiert. Freunde von mir wurden in Istabul vor kurzem leider verletzt. LG. Conny

    1. Mir persönlich wäre es wahrscheinlich auch etwas zu heikel gewesen. Aber die Fotos, die mein Gastblogger mitgebracht haben, sind schon wirklich beeindruckend 🙂

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